Methodik der Datenerhebung für Umweltauswirkungen von Lebensmitteln
Um Transparenz und Replizierbarkeit zu gewährleisten, folgt dieser Bericht einer strengen Hierarchie bei der Datenbeschaffung und -schätzung
1. Datenhierarchie
1.1 Primäre Datenquelle
Die fundamentale Datengrundlage für Landnutzung und Süßwasserverbrauch für die Mehrheit der erfassten Lebensmittel bilden die globalen Mittelwerte aus der Meta-Analyse von Poore & Nemecek (2018), kuratiert und publiziert durch Our World in Data. Dieser Datensatz stellt die derzeit robustesten, standardisierten und global repräsentativsten Werte für die wichtigsten Nahrungsmittel bereit, welche kumuliert circa 90 % der globalen Protein- und Kalorienaufnahme abbilden. Die ergänzenden Materialien (Supplementary Materials) der Originalstudie dienen als ultimative Referenz.
1.2 Spezifische Lebensmitteldaten
Für Lebensmittel, die im primären Datensatz nicht explizit behandelt werden oder bei denen eine granularere Analyse von Vorteil ist – beispielsweise der Vergleich verschiedener Rindfleischproduktionssysteme oder spezifischer Fischarten – greift unsere Datenbank auf weiterführende peer‑reviewte Studien und Fachberichte zurück. So werden etwa detaillierte Daten zu Rindfleischsystemen aus Broom (2019) bezogen, während spezifische Angaben zum Wasserverbrauch von Bananen durch Berichte der FAO gestützt sind.
1.3 Proxy‑Zuweisung bei Datenlücken
Für eine Reihe von Lebensmitteln in unserer Datenbank existieren in der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur keine direkten Daten zu den Umweltwirkungen. In diesen Fällen wird eine Proxy‑Zuweisungsmethodik angewendet, die konsistent mit dem Vorgehen des FoodEx2‑Umweltdatensatzes der UN FAO ist. Dabei wird ein Proxy‑Wert von demjenigen Lebensmitteln zugewiesen, das die größte Ähnlichkeit aufweist und für das Daten verfügbar sind. Beispielsweise werden die Auswirkungen von „Amaranth“ durch die Daten für „Hafer“ approximiert. Sämtliche Zuweisungen dieser Art basieren auf Ähnlichkeiten im Lebensmitteltyp, dem Kultivierungsprofil oder der Verarbeitung und werden zur Gewährleistung der Transparenz explizit dokumentiert.
1.4 Handhabung von zusammengesetzten Gerichten
Zahlreiche Einträge in der Datenbank repräsentieren zusammengesetzte Gerichte (z. B. „Lasagne“, „Hähnchencurry“), für welche keine direkten Ökobilanzdaten (LCA) vorliegen. Für diese wird eine vereinfachte Schätzung vorgenommen, indem die primäre Zutat identifiziert wird, welche die Umweltwirkungen maßgeblich dominiert. In der Mehrheit der Fälle ist dies die tierische Proteinkomponente. Die Auswirkungen einer „Rindfleisch‑Lasagne“ werden folglich anhand der Daten für Rinderhackfleisch geschätzt, da dessen Land‑ und Wasserverbrauch sowie Treibhausgasemissionen die der übrigen Zutaten (Pasta, Käse, Sauce) signifikant übersteigen. Dieser pragmatische Ansatz ermöglicht eine plausible und richtungsweisend korrekte Schätzung für komplexe Lebensmittelprodukte.